Technische Daten: WLAN & Streaming

Ulf Kypke-Burchardi, unser Network Manager von newthinking communications, hat mal in den Logfiles des Konferenz WLAN gestöbert und die ersten Statistiken erstellt. Die Zahlen sind bemerkenswert!

“In den ersten 1-2 Stunden (am 14.04.10), also von 9 uhr bis 11 uhr am ersten Tag gab es im Friedrichstadtpalast alleine 650 Geräte im Funknetzwerk. Über den ganzen Tag bis 22:00 uhr wurden insgesamt knapp 1000 Geräte angemeldet. Am Donnerstag und Freitag kamen über den Zeitraum nochmal 900 weitere Geräte dazu. Man kann davon ausgehen, dass knapp 2000 Systeme bei der re:publica online waren! Am Samstag bei der re:campaign in der kalkscheune den gesamten Tag über 185 Systeme angemeldet.

Die Spitzenzeiten waren an allen Tagen jeweils die Mittagspause, hier waren am Donnerstag fast 1000 gleichzeitig angemeldet. Kein Wunder das irgendwann die Luft dicht war: Eine Auswertung der Bandbreite und der Geräteklassen folgt noch.”

An dieser Stelle ein großes Danke an Ulf und Wetter und alle die für das WLAN gesorgt haben. Wir haben mit dem WLAN 2010 einen sehr großen Fortschritt gegenüber den Vorjahren gemacht. Allerdings steigen die Anforderugen auch weiter an. Häufiger Fehler beim Einloggen in das WLAN waren die Einstellungen der (meist Apple) Geräte. Der Flaschenhals waren die Zuteilung der IP-Adressen. Für kommende Veranstaltungen werden wir stärker über diesen Sachverhalt aufklären.

Unser Dank gilt auch Jan Kegelberg von People Zapping. Er hat mir seinem Team dafür gesorgt, dass die Hauptsäle re:publica 2010 vollkommen ins Netz gestreamt wurden. Seine Zahlen sind auch umwerfend:

Zugriffe auf die Live Streams:

re:publica 2010 Friedrichstadtpalast:

96.182 Zugriffe extern & 4.866 Zugriffe über peoplezapping.com
Am 14.04.: externe Player 38.240 & 2.570 via People Zapping
Am 15.04.: externe Player 34.291 & 1.681 via People Zapping
Am 16.04.: externe Player 23.588 & 678 via People Zapping
re:publica 2010 Kalkscheune

32.400 Zugriffe extern & 2.104 Zugriffe über peoplezapping.com
Am 14.04.: externe Player 13.838 & 990 via People Zapping
Am 15.04.: externe Player 11.898 & 728 via People Zapping
Am 16.04.: externe Player 6.664 & 386 via People Zapping
re:publica 2010 Quatsch Comedy Club

13.336 Zugriffe extern & 720 Zugriffe über peoplezapping.com
Am 14.04.: externe Player 4.844 & 282 via People Zapping
Am 15.04.: externe Player 4.858 & 240 via People Zapping
Am 16.04.: externe Player 3.643 & 198 via People Zapping
In Summe wurden zwischen 23.000 und 58.000 Player-Instanzen über die 3 Tage aufgerufen. Eine beachtliche Summe.”

Wir stellen für Euch weitere Statistiken zusammen.

Daniel Schmitt über Wikileaks

Hier ist der Vortrag von Daniel Schmitt von und über Wikileaks, den er auf der re:publica 2010 gehalten hat: “History is the only guidebook civilization has but who is the publisher?”

“Through its publications as the world’s only functioning whistleblowing platform, WikiLeaks has exposed corruption, political murder, torture as well as abuse of power on all continents. But not only is WikiLeaks publishing the unpublished. Increasingly WikiLeaks has to preserve investigative stories that classic newsmedia cannot defend against those abusing legal systems in order to stiffle freedom of speech and supress critical voices. According to the press, the platform has in its short existance produced more scoops than the Washington Post in the past 30 years. It has been called the most successful journalist operation in the world, and its internet address been said to be the home of free speech. Besides offering the most sophisticated legal and technical infrastructure for the protection of the press and its sources, the recipe for this success is very simple: WikiLeaks is upholding its principles, no matter what.

Join us for a session about the state of the media, possibilities to defend our historic record and requirements for the future to preserve the 4th estate as an independent mechanism to control those in power.”

Der Netzreporter unterwegs auf der re:publica 2010

Ein kurzweiliges Video der Kooperative-Berlin von der re:publica 2010 mit Stimmen von Teilnehmern.

“Der Netzreporter unterwegs auf der re:publica 2010: Einige Stimmen zu den Themen in diesem Jahr u.a. mit Markus Beckedahl und Thorsten Schilling von der Bundeszentrale für politische Bildung.”

re:publica 2010 from kooperative-berlin on Vimeo.

Miriam Meckel über “This object cannot be liked”

Einen sehr inspirierenden Vortrag über Freiheit und Zufall hat Miriam Meckel auf der re:publica 2010 gehalten: “This object cannot be liked – über die Grenzen menschlichen Ermessen und das Ermessen menschlicher Grenzen”.

“Was geschieht, wenn Profile an die Stelle von Persönlichkeiten treten? Wenn Neigungen und Abneigungen durch Algorithmen errechnet werden? Wenn das Denken der Datenauswertung weicht? Dann überantwortet der Mensch einen wachsenden Anteil seiner selbst an den Computer und beseitigt damit ein Momentum, das Leben menschlich macht: den Zufall.”

Der Vortrag ist jetzt nun in unserem Youtube-Kanal und auch in einer Audio-Version als MP3.

Eine enorme Menge “Wir”

Der Vollständigkeit halber: Der Text, den ich für die re:publica-Beilage des Freitag geschrieben hatte, nach dem Klick.

“One of the most important things you learn from the internet is that there is no ‘them’ out there. It’s just an awful lot of ‘us’”.

Douglas Adams, Autor des Meisterwerks “Per Anhalter durch die Galaxis”, beschrieb mit diesem Satz 1999 das Internet als die Abwesenheit von “denen” und die Anwesenheit einer enormen Menge von “uns”. Und da Adams ein äußerst kluger Mann war, meinte er diesen Satz natürlich nicht separatistisch. Nicht um die Trennung zwischen “denen” und “uns” ging es ihm, sondern um die Vereinigung der beiden Begriffe zu einem einzigen: Wir.

Es ist in mehrfacher Hinsicht schade, dass Douglas Adams 2001 starb. Zu gerne hätte man die Kommentare des unermüdlichen Technologie-Optimisten zum aktuellen Status des Internets gehört, schließlich hat sich in den letzten elf Jahren einiges getan und viele der Prognosen, die Adams in anderen seiner Texte voraussagte, sind eingetroffen. Während man 1999 als Reaktion auf den Satz “Das weiß ich aus dem Internet” noch die gleichen Blicke erntete, die einen nach dem Bekenntnis “Ich habe gerade eine kleine Katze getreten” erwarteten, ist das Netz 2010 zumindest in unseren Breitengraden allgegenwärtiger Mainstream, seine Nutzung selbstverständlich.

“Schon gehört?”, fragte mich meine Mutter neulich am Telefon. “Ab Mai kostet jede E-Mail einen Cent!” – “Super”, erwiderte ich, “dann bekomme ich in Zukunft weniger Werbe-Mails, und wenn wir auch noch ein hohes Zusatzporto für PowerPoint-Attachments erheben, könnte E-Mail wieder brauchbar werden!”

Das sagte ich natürlich nicht, ich wollte meiner Mutter nicht den Spaß verderben. Es war der 1. April, und sie versuchte mich ein wenig zu erschrecken, wohlwissend, dass die angebliche Nachricht den finanziellen Ruin für ihren Sohn bedeutet hätte.

Bemerkenswert an diesem Aprilscherz ist nicht, wie alt er inzwischen ist, sondern die Tatsache, dass meiner Mutter, für deren Generation Briefe oder Telefonate gewohnter sind als Computer, der Gedanke an ein E-Mail-Porto genauso absurd vorkommt wie mir. Es ist bemerkenswert, wie das Internet auch für sie längst eine alltägliche Technologie geworden ist, die durch eine monatliche Zugangspauschale nutzbar ist. Bemerkenswert, weil dies keineswegs so selbstverständlich ist, wie es erscheint.

Wir können schließlich nur froh sein, dass das Internet zum Großteil auf offenen Strukturen und Technologien basiert und sein derzeit populärster Dienst – das World Wide Web – nicht von einem Unternehmen, sondern von einem Informatiker namens Tim Berners-Lee erfunden wurde. Wäre es anders, würde das Internet vielleicht jemandem “gehören” und wir müssten uns den Zugang zum weltweiten Wissen in unterschiedlichen Inhalts- und Zugangstiefen erkaufen:

Das Basis-Paket “Shop’n’Family” ließe uns bespielsweise für nur 19,90 Euro bis zu 1.000 E-Mails von bis zu vier Adressen senden (jede zusätzliche Adresse nur 2,99 Euro) und insgesamt 20.000 Webseiten der Kategorie “Family & Friends” abrufen – wichtige Shoppingportale inklusive. Die Wissensdurstigen könnten das Paket “Power Knowing” mit Wikipedia- und Suchmaschinen-Zugang hinzubuchen, bei Jugendlichen wäre der Tarif “Play4Fun” eine beliebte Option. Wer eigene Inhalte im Web veröffentlichen wollte, müsste “Share’n’Publish” erwerben, Geschäftsleute hingegen kämen an “Business@home” kaum vorbei, mit dem für zusätzliche 29,90 Euro auch E-Mail-Adressen im Ausland erreichbar wären.

So grotesk dieses Szenario auch erscheinen mag: Einige Unternehmer und Politiker denken ernsthaft darüber nach – weshalb sich sowohl private als auch kommerzielle Internet-Nutzer schützend für den Erhalt der “Netzneutralität” einsetzen, die allen Menschen mit Internetanschluss den gleichen, uneingeschränkten Zugang zu bestehenden und zukünftigen Netzinhalten sichern soll.

Womit wir auch schon mittendrin wären in einem der vielen Themen der re:publica. Und da diese Themen zwar manchmal technisch klingen, im Kern aber meist gesellschaftlicher Natur sind, hat sich die re:publica seit 2007, als sie erstmalig als Treffen von etwa 700 Blogger/innen stattfand, zu einer Social-Media-Konferenz entwickelt, die rund 2.500 Gäste nach Berlin lockt. Mit “Social Media” sind hier genau jene neueren Technologien gemeint, die im Gegensatz zu ihren Vorgängern wie Zeitung, Radio oder TV den gegenseitigen Austausch zulassen und somit die Bezeichnung “Kommunikationsmedium” tatsächlich verdient haben. In über 150 Vorträgen und Workshops mit mehr als 230 Sprecher/innen aus aller Welt liefert die re:publica 2010 erneut Einblicke in die vielen unterschiedlichen Aspekte dessen, was Soziologen als die “digitale Gesellschaft” bezeichnen.

Dabei hat dieser Begriff etwas von “die Besatzung der USS Enterprise” und impliziert, dass wahlweise von einer Elite, einer Außenseitergruppe oder dem ominösen “Internet-Freak” die Rede ist, der mit verbundenen Augen die Kapazität einer Festplatte an ihrem Geruch erkennen kann. Was irreführend und falsch ist. Denn mit der “digitalen Gesellschaft” ist keine kleine Gruppe, sondern die Adamssche enorme Menge von uns allen gemeint, die wir dem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel durch digitale Technologien unterliegen, welcher unser aller Leben und Arbeiten in einem Maße beeinflusst, wie es zuvor die Erfindungen des Buchdrucks oder der Dampfmaschine taten.

Information und der Zugang zu ihr, aber auch Wirtschaft und Politik sind zentrale Themen einer jeden Gesellschaft – und damit Themen der re:publica. Während sich auf der einen Seite immer mehr Nichtregierungsorganisationen die Möglichkeiten der globalen Vernetzung zunutze machen, messen sich an anderer Stelle mächtige Online-Unternehmen auf bisher unbekannte Art öffentlich mit den Regierungen der Welt. Und während unsere Kinder mit digitalen Medien aufwachsen und sie so selbstverständlich nutzen wie ihre Eltern den Fernseher, reagiert die ältere Generation, vertreten durch Politik, Erziehungs- und Lehrkörper, auf den Vorsprung der Jüngeren oft mit Ängsten und Restriktionen statt mit Neugier und Förderung. Während wir Internet-Dienste statt mit Geld mit den neuen Währungen “Aufmerksamkeit” und “Daten” bezahlen, diskutieren Experten eine Neudefinition der Begriffe “Privatsphäre” und “Individualität” – und stellen in Anbetracht von Vorratsdatenspeicherungungen und Datenschutzskandalen die Frage: Wem vertrauen Sie ihre Daten mit ruhigerem Gewissen an? Einem Unternehmen oder dem Staat?

Dieser nämlich kommt derweil seinen Aufgaben als Vermittler zwischen den Interessen der Menschen und der Wirtschaft einerseits und als Förderer von Innovation und sozialem Fortschritt andererseits kaum noch nach. “Don’t be medieval!” möchte man einigen Regierungsvertretern zurufen, welche die Unabhängigkeit und Freiheit der Internet-Grundstrukturen nicht als Chance für die Demokratie erkennen wollen, sondern sie allein als Bedrohung ihrer eigenen Macht empfinden.

Es gilt, Brücken zu bauen, um Flüssen ihren Lauf zu lassen. Der Untertitel der diesjährigen re:publica ist mit “nowHere” absichtlich doppeldeutig gewählt. Digitale Kommunikation hat Echtzeit-Tempo erreicht und kann uns jetzt und hier – “now here” – verbinden. Sie lässt uns bislang jedoch auch im Nirgendwo – “nowhere” – stehen, verlangt ob der oben beschriebenen Herausforderungen konstante Neuorientierung und Positionsbestimmung auf dem Weg in die Zukunft, die natürlich wie immer schon längst begonnen hat.

Doch Zukunft gestaltet man nicht, indem man jede mögliche kommende Gefahr zu verhindern sucht. Zukunft gestaltet man, indem man sich bemüht, die denkbar beste Version davon vorzubereiten. In besonders waghalsigen Momenten hoffe ich, dass sich auf der re:publica Menschen und Unternehmen treffen, die sich dessen bewusst sind. Als Teil dieser enormen Menge “Wir”.